Use it or lose it

Benutz es oder verlier es – diese Erfahrung habe ich unlängst am eigenen Leib eindrucksvoll machen dürfen, als mein Orthopäde mich zum Gewichtstraining schickte mit den Worten: „ Ohne regelmäßigen Kraftsport werden Sie Ihre Rückenbeschwerden auf die Dauer nicht los“.

Dann habe ich wohl keine Wahl, dachte ich. Obwohl ein Training in einer Fläche voll mit Eisen und muskelbepackten schwitzenden Männern für mich auf der Liste der Wunschsportarten ganz weit unten stand. Wie viele Frauen bin ich eher der Typ fürs Laufen, Schwimmen oder Yoga. Aber es nutzt ja nichts also machte ich mich meinem Rücken zu Liebe auf ins nahegelegene Sportstudio, trug mein Anliegen vor und wurde sogleich einem netten jungen durchtrainierten Trainer zugeteilt, der mir fröhlich mitteilte : „Ich bin der Felix und wir machen jetzt zusammen einen Trainingsplan für Dich“.

Sodann arbeiteten wir uns im Zickzackkurs durch den bedrohlich stahlstrotzenden Gerätepark. Jedes Gerät mit 3 bis 4 verschiedenen Schrauben und Haken zum Verstellen – verwirrend. Für mich kam fast immer das niedrigste Gewicht von 5 kg in Frage – beschämend. Ich mache täglich Sport und kann kaum mehr als 5 kg stemmen? Unglaublich. Felix verzieht keine Miene, ist weiter gut gelaunt und ich bin ihm dankbar.

Am Ende entlässt er mich mit meinem vollgeschriebenem Plan, den ich in das Register der anderen Trainingspläne einordne, und er wünscht mir viel Erfolg.

Von da an mischte ich mich regelmäßig 2 mal die Woche mit meinem Trainingsplan auf einem Klemmbrett, einem Bleistift und einem Handtuch unter die vielen top fitten Superkörper von 20 bis 25-jährigen Männern um mich gewissenhaft von Turm zu Turm auf meiner Liste vorzuarbeiten.  Ganz abgesehen davon, dass fast ausschließlich Männer meine Mitstreiter waren und die wenigen vereinzelten Frauen gefühlte 19 Jahre alt, outete ich mich auch noch dadurch als Loser, dass ich das Klemmbrett mit dem Trainingsplan mit mir rumtrug – das machen nur Anfänger. Mein absoluter Tiefpunkt aber war, als ich eine Weile vergebens versuchte die Maschine für das Bauchtraining in Bewegung zu setzen – zuletzt ganz ohne Gewicht – sie bewegte sich nicht einen Millimeter. Als ich meinen Nachbarn ansprach erfuhr ich, dass es die Maschine für den unteren Rücken war – die bewegt sich in die andere Richtung, kann also gar nicht gehen.

Aller Anfang ist schwer aber ich muss zugeben, dass in diesem Fall nur mein schmerzender Rücken mich zum Durchhalten zwang – viel lieber hätte ich mich ganz weit weg gebeamt.

Aber die ersten Wochen gingen ins Land, das Klemmbrett blieb inzwischen unbenutzt, denn ich kannte meine Geräte, die Gewichte waren von 5 auf 20-30 kg angewachsen und der lähmende Muskelkater vom Anfang (Treppensteigen ganz schwer) war verflogen. Ungefähr zu diesem Zeitpunkt merkte ich, wie mir neue ungeahnte Kräfte zuwuchsen. Nicht nur war ich deutlich fitter am Tag als vorher (trotz meinem anderen Sport) – auf einmal merkte ich auch, dass die Heckklappe an meinem Auto gar nicht klemmte beim Zumachen – sie ging ganz einfach zu. Zwei volle Einkaufstaschen? Kein Problem. Hat sich vorher viel schwerer angefühlt. Und ich könnte endlose weitere Beispiele anfügen, die mir den Alltag erleichtern. Und ja, meinen Rücken spüre ich Gott sei Dank nicht mehr.

Mein Fazit: Die vielen jungen Männer, die mit mir gemeinsam schwitzen – die sind es eigentlich gar nicht, die diese Geräte brauchen.  Wer es wirklich braucht, das sind Menschen in meinem Alter mit 60 Jahren oder älter. Ich war ehrlich gesagt erschrocken wie wenig Muskulatur ich zu Anfang hatte und genauso erstaunt darüber wie schnell man sie wieder aufbaut und wie gut es tut sie zu reaktivieren.

Probieren Sie es mal aus.

Autor: Prof. Dr. Dorothee Gänshirt

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