Kreativ Visualisieren

Kennen Sie sich selbst erfüllende Prophezeiungen? Damit ist gemeint, dass ein Ereignis mit hoher Wahrscheinlichkeit eintritt, wenn wir uns nur oft genug einreden, dass es passieren wird.

Zwei Beispiele:

Thomas hat sehr wenig Zutrauen zu sich, wenn es um seine Arbeit geht. Als er eine neue Stelle antritt, ist er sich von Anfang an fast sicher, dass er keinen Erfolg haben und die Stelle bald wieder verlieren wird. Diese Angst bewirkt, dass er in seinem neuen Job nicht »wirklich Gas gibt«, weil er das unbewusst für vergebene Liebesmühe hält. Und tatsächlich sagt ihm sein Chef nach einem halben Jahr, dass er ihn nach der Probezeit nicht übernehmen kann.

Ulrike hat einige sehr enttäuschende Erfahrungen mit Männern gemacht und geht daher auch bei ihrem neuen Freund fest davon aus, dass er sie heimlich hintergeht. Folglich spioniert sie ihm nach und wirft ihm ständig vermeintliche Heimlichkeiten vor. Damit gibt sie der neuen Beziehung von Anfang an schlechte Chancen.

Dies sind zwei Beispiele, die Ihnen vielleicht bekannt vorkommen. Sie sehen hier sehr eindrucksvoll, wie unsere Gedanken bzw. unser fester Glaube eine Situation tatsächlich herbeiführen kann. Dieses Prinzip funktioniert aber nicht nur mit negativen Gedanken, sondern auch dann, wenn wir uns etwas Positives vorstellen. Wir ziehen im Leben immer das an, woran wir am stärksten glauben, was wir zutiefst in unserem Herzen erwarten und was wir uns am lebhaftesten vorstellen.

Auf dieser Erfahrung beruht die Methode des Kreativen Visualisierens, eine ganz einfache Technik, die wir Ihnen hier vorstellen möchten. Sie wird es Ihnen sehr erleichtern, Ihre Ziele zu erreichen.

Wie funktioniert Kreatives Visualisieren?

Setzen oder legen Sie sich entspannt hin, schließen Sie die Augen und lassen Sie in sich ein Bild von Ihrem Ziel entstehen. Nehmen wir an, Sie möchten fünf Kilo abnehmen. Stellen Sie sich so genau wie möglich vor, wie es ist, wenn Sie dieses Ziel bereits erreicht haben. Wie fühlen Sie sich, wie sehen Sie aus, wie reagieren Freunde und Verwandte? Sind Sie stolz, fühlen Sie sich gesünder, sehen Sie besser aus? Lassen Sie diese Bilder möglichst intensiv und in allen Einzelheiten in sich entstehen. Es spielt keine Rolle, wie lange Sie in der Vorstellung verweilen. Nicht auf die Dauer kommt es an, sondern auf die Intensität. Zusätzlich formulieren Sie in Gedanken einfache und positive Sätze, die Ihr Ziel genau beschreiben.

  • In unserem Beispiel könnten die Sätze lauten:
  • Ich bin schlank und fühle mich gesund und wohl.
  • Ich habe jetzt nur noch Lust auf Speisen, die mir guttun. Alles, was ich tue, macht mich gesünder und gibt mir mehr Energie

Wir nennen diese Sätze Affirmationen. Sie sind sehr kraftvolle Mittel, um ein Ziel zu erreichen. Wiederholen Sie diese Affirmationen, während Sie die Bilder in sich entstehen lassen.
Wie finde ich die richtigen Affirmationen?

Zuerst einmal sollten Sie sich ein Ziel wählen und dieses aufschreiben: Was genau wollen Sie in welcher Zeit erreichen? In dem Abschnitt »Diabetes-Ziele setzen« können Sie solche Ziele formulieren. Durch zusätzliche Visualisierungsübungen werden Sie Ihre Ziele leichter erreichen.

  • Wählen Sie dann zu einem Ziel jeweils maximal drei Affirmationen.
  • Formulieren Sie die Affirmationen immer positiv, nie negativ: Sagen Sie z. B. »Ich habe nur noch Lust auf Speisen, die mir guttun«, und sagen Sie nicht: »Ich habe keine Lust auf schlechtes, ungesundes Fastfood«.
  • Formulieren Sie die Affirmation immer so, als sei das Ziel schon eingetreten: Sagen Sie z. B. »Ich bin schlank und gesund« und nicht »Ich werde schlank und gesund«.

Jetzt fangen Sie an sich Ihr Ziel möglichst genau vorzustellen. Malen Sie sich in allen Einzelheiten aus, wie es sich anfühlt und genießen Sie dieses Gefühl. Benutzen Sie die positiven Affirmationen, die Sie für sich gewählt haben, indem Sie diese in Gedanken immer wiederholen. Lassen Sie dabei die Bilder entstehen, in denen Sie sich sehen, wenn Sie Ihr Ziel bereits erreicht haben.

Wenn Zweifel auftauchen und Ihr Verstand Nein sagen will, wehren Sie sich nicht dagegen oder versuchen Sie nicht, diese Reaktion gar nicht erst aufkommen zu lassen. Das würde sie nur noch verstärken. Lassen Sie sie einfach durch Ihr Bewusstsein ziehen und wenden Sie sich wieder Ihren eigenen positiven Aussagen und Bildern zu.

Im Folgenden finden Sie einige Beispiele für Affirmationen,
die Ihnen als Anregung für Ihre eigenen Formulierungen dienen können.

Üben Sie. Wenn Sie sich die Situation, die Bilder, Töne und Gefühle noch nicht so deutlich vergegenwärtigen konnten, ist das ganz normal. Die Wiederholung macht‘s aus. Sie werden überrascht sein, welche Wirkung diese einfache Übung mit der Zeit auf Ihr Leben hat.

Ich wünsche Ihnen viel Erfolg!

Autor: Prof. Dr. Dorothee Gänshirt