Wer ist der Experte, Sie oder Ihr Arzt?

“Ich habe mein ganzes Leben Parkinsonpatienten behandelt und gehörte zu den führenden Wissenschaftlern auf diesem Gebiet. Ich dachte, ich wüsste alles über diese Erkrankung. Dann bekam ich selber Parkinson und musste feststellen: Ich wusste nichts über Parkinson.“

Dieses beeindruckende Bekenntnis einer international anerkannten Kapazität  auf dem Gebiet des Parkinson zeigt, dass der Begriff „Experte“ durchaus zwei Seiten hat, wenn es um chronische Erkrankungen geht.

Ihr Arzt ist Experte für die Diagnose und die Therapie. Auf sein Wissen und seine Erfahrung bei diesen Aspekten der Erkrankung können Sie bauen und seine Verordnungen bilden das Fundament Ihrer Behandlung.

Aber was ist mit dem Rest? Wie gehen Sie mit der Diagnose um? Wie mit den Nebenwirkungen der Behandlung? Wie lindern Sie Ihre Beschwerden im Alltag? Wie schaffen Sie es mit dem Rauchen aufzuhören? Sind die Ängste, die Sie plagen, normal – haben andere Patienten das auch? Mir hat einmal eine Patienten mit Multipler Sklerose gesagt: „Ich habe jeden Tag 1000 Schlachten zu schlagen aber was ich bei meinem Arzt bekomme, ist immer nur ein Medikamentengespräch.“

So wahr das ist so sehr zeigt es uns auch das Dilemma, in dem vielen Patienten mit chronischen Erkrankungen stecken – und auch deren Ärzte. Diabetes, Herzkreislauferkrankungen, Parkinson und viele andere lassen sich nicht wie eine Angina mit ein paar Antibiotika in den Griff bekommen. Die ärztliche Behandlung ist hier nur eine Seite der Medaille. Der andere – mindestens ebenso wichtige – Teil der Behandlung findet zu Hause statt, jeden Tag aufs Neue, und der Experte und Hauptakteur sind Sie selbst.

Und hier können Sie Unterstützung durch Experten  finden, die sich speziell in diesen Fragen auskennen. So bunt wie die Alltagsprobleme der Patienten ist auch die Palette dieser Experten. Es sind andere Patienten, Selbsthilfegruppen, Ernährungsberater, Psychologen, Physiotherapeuten, Fitnesstrainer, Yogalehrer, Biofeedbackexperten, spirituelle Personen und viele andere mehr. Die meisten Patienten mit einer chronischen Erkrankung brauchen früher oder später die eine oder andere Unterstützung in ihrem Alltag – über Ihren Arzt hinaus.

Das Bewusstsein, dass es außer Ihrem ersten und wichtigsten Ansprechpartner – Ihrem Arzt – viele weitere Experten gibt, die Sie auf Ihrem Weg unterstützen können, ist wichtig. Wenn Sie Hilfe in Ihrem Alltag brauchen, dann werden Sie aktiv und schauen Sie sich um. Sie können nur gewinnen. Experten gibt es viele und nicht für alle Probleme ist ein Medizinstudium die richtige Voraussetzung.

Autor: Prof. Dr. Dorothee Gänshirt