Fastenzeit – 14 Tage ohne Zucker, ein Selbstversuch

Die Fastenzeit hat begonnen. Ich nehme es als Anlass einmal auszuprobieren, was 14 Tage ohne Zucker mit mir machen…

Warum gerade ohne Zucker und nicht ohne Fett oder ohne Kohlehydrate oder was auch immer propagiert wird?

80 % aller verpackten Lebensmittel sind zusätzlich mit Zucker gesüsst. Schauen Sie einmal auf die Zutatenliste von Aufschnitt, Brot Müsli, Pizza, Lasagne usw. Zucker wird auch da zugesetzt, wo wir es nie vermuten würden. Was das in unserem Körper anrichtet, ist den meisten nicht bewusst. Zucker  macht süchtig. Jedesmal, wenn wir Zucker essen, setzt unsere Bauchspeicheldrüse Insulin frei, um die Organe dazu anzuregen, Glukose aus dem Blut aufzunehmen. Dieser konstante Stimulus sorgt gemeinsam mit dem hohen Insulin- und Glukosespiegel dafür, dass die Bauchspeicheldrüse mit der Zeit immer weniger Insulin erzeugt, was zu einer Insulinresistenz führt – einer Vorbotin von Diabetes. Wird die Energie des Zuckers außerdem nicht schnell nach der Aufnahme verwendet, wird sie in Fett umgewandelt und im Körper gespeichert. Zucker ist nicht prinzipiell schlecht. Aber mit dem konstanten Verzehr von einfachen Zuckern, die den Lebensmitteln zugesetzt werden, kommt unser Körper nicht zurecht. Es ist unphysiologisch, macht dick, träge und auf die Dauer sehr krank. Das Gebaren der Lebensmittelindustrie allen möglichen Lebensmitteln Zucker zuzufügen, in die es garnicht gehört, ist verantwortungslos, denn es führt für viele Menschen zu erheblichen gesundheitlichen Problemen und richtet darüber hinaus grossen volkswirtschaftlichen Schaden an. Zucker soll gerne da hinein, wo man es vermutet: Süssigkeiten, Pudding, Eiscreme – kein Problem. Aber bitte nicht in Aufschnitt, Fertiggerichte und vielem anderen wo wir es nicht vermuten.

Also hier mein Selbstversuch: Kann ich den Fallen der Lebensmittelindustrie entkommen? Und fühle ich mich anders?

Mein Vorsatz: 14 Tage lang esse ich keine Produkte, deren Zutatenliste Zucker enthalten. Und Zucker erscheint auf dem Kleingedruckten der verpackten Lebensmitteln unter zahlreichen Namen: Saccharose, Dextrose, Raffinose, Glukose, Fruktosesirup,Fruktose-Glukose-Sirup, Glukosesirup, Glukose-Fructose-Sirup, Stärkesirup, Karamellsirup, Laktose, Maltose oder Malzextrakt, Maltodextrin, Dextrin oder Weizendextrin, Süßmolkenpulver, Gerstenmalz/Gerstenmalzextrakt.

Ausserdem verzichte ich auf Alkohol – hauptsächlich weil nach einem Gläschen Wein meine Vorsätze schwinden – so weit kenne ich mich.

Morgen gehts los und ich melde mich am 2. Tag zurück mit dem Bericht über der Verlauf des ersten Tages…

Tag 1

Mein erster Morgen ohne Zucker. Heute muss ich zur Arbeit, also ein anständiges Frühstück: Rührei mit Brot. Schnell mal das Brot checken: Mein Toastbrot enthält… Zucker! Mein Knäckebrot (ist ja gesund!) enthält? Ja richtig Zucker. MeinRead more…Gut dann Eier mit Speck, das kann das Brot ersetzten. Ich hatte doch so gesunde Rinderspeckwürfel gekauft– ich bin entsetzt: Zucker gleich auf Platz 3 der Zutatenliste. Also wird die Avocado herhalten, die ich noch habe und die Eier brate ich mit frischen Tomaten. Dazu finde ich Blaubeeren. Gar nicht so schlecht. Ich bin satt, habe meinen Plan eingehalten und kann los. Nein fast: Noch schnell den Salat fürs Büro einpacken, den ich gestern Abend vorbereitet habe, Oliven, gebratene Putenbrust und Salatsauce. Ja selbstgemacht, denn alle fertigen Saucen enthalten… Zucker.

Abends zu Hause. Es war ein stressiger Tag mit viel Frust – genau das, was ich jetzt nicht gebrauchen kann Mir ist nach einem Stück Schokolade und einem guten Glas Rotwein zur Entspannung. Ich schaue in den Kühlschrank und finde noch ein abgepacktes Rindercarpaccio – sieht gut aus und das darf ich ja. Kurz zur Sicherheit noch mal hinten auf die Packung geguckt: Zucker. Gleich auf Platz 2 der Liste. Mist. Ich muss mich besser vorbereiten, das wird mir klar. Also reibe ich mir ein paar Kartoffeln klein, ab in die Pfanne als selbstgemachte Rösti – denn die verpackten enthalten (ja, genau Zucker). Dazu Lachs und Salat. Garnicht schlecht – geht doch. Später auf dem Sofa hängen mir aber immer noch die Gedanken an den stressigen Tag nach und mein Verlangen nach einem guten tröstenden Glas Wein und einem Stück Toblerone werden stärker. Was tun? Ich denke an das Raucherentwöhnungsportal, das ich entwickelt habe. Hier heisst es, bei Schmacht soll man 5 Minuten abwarten, bevor man rückfällig wird. Es geht vorbei. Also warte ich. Gefühlt dauert es 20 Minuten, bis ich mich so weit im Griff habe, dass ich merke, dass ich es gut durch den Abend schaffe ohne Schokolade.

Gehe stolz und zufrieden zu Bett und freue mich schon fast auf Tag 2.

Tag 2

Heute habe ich zu Hause gearbeitet, also kein Frust mit Kollegen und es funktionierte schon viel besser. Zuckerfreies Müsli habe ich, also morgens mit viel Obst und Quark angemacht. Dazu ein paar Nüsse. Lecker. Ich starte satt und zufrieden in den Tag.Read more…

Es wird halb drei bis ich wieder Hunger bekomme. Der Rest Lachs im Kühlschrank muss noch weg. Ich brate ihn an und fülle mit Kokosmilch auf. Dazu das orientalische Gewürz, das mir meine polyglotte Tochter aus Dubai mitgebracht hat. Dann noch getrocknete Cranberries (Antioxidantien!). Ein Blick auf mein Paket mit den glutunfreien Nudeln (muss ich wegen Glutenunverträglichkeit) und? Danke! Sie enthalten keinen Zucker.

Also hatte ich ein sehr gutes Mittagessen ohne Zuckerzusatz, da wo er nicht hingehört.

Bis ich ins Bett gehe, habe ich keinen Hunger mehr! Kein Gedanke an Schokolade. Bin zufrieden und hatte keinen Durchhänget nach dem Mittagessen wie üblich.

Mal sehen wie es morgen wird.

Tag 7

So – eine Woche meines Selbstversuchs ist rum und ich ziehe eine erste Bilanz:Read more…

Auf Zucker zu verzichten fällt mir immer leichter – einen richtigen „Schmacht“ auf Süssigkeiten habe ich nicht wirklich gehabt. Auch habe ich immer weniger Schwierigkeiten, Zuckerfallen in Lebensmitteln zu meiden. Ich habe mich einfach drauf verlegt, nur noch frische, unverpackte Lebensmittel zu konsumieren. Ausnahme: Quark, Joghurt, Milch, Käse, Dosengemüse und tiefgefrorene Gemüse ohne Zusätze. Eigentlich bleibt eine ganze Menge übrig – man muss nur seinen Schwerpunkt verlagern. Sprich, Lebensmittel, die stark verarbeitet sind, wie Fertiggerichte sind zu meiden. Schade nur, dass auch Brot – ein Grundnahrungsmittel – inzwischen meist mit Zucker versetzt ist. Ich plane in den nächsten Tage ein zuckerloses Brot selbst zu backen und werde berichten wie es schmeckt.

Ansonsten bemerke ich an mir, dass ich weniger bis keine akuten Hungerattacken während des Tages habe und mich fitter fühle, das heisst keine Durchhänger am Mittag oder Nachmittag.

Bisher also meine Zwischenbilanz: Nach anfänglichen Hindernissen (Kühlschrank voll mit Lebensmitteln, die mit Zucker versetzt waren, der da nicht hingehörte) habe ich mich relativ schnell umgestellt und erstaunlich rasch gelernt, Zuckerfallen zu identifizieren und zu meiden.

Auch wundere ich mich, wie viele naturbelassene Lebensmittel es doch noch gibt. Früher habe ich diese oft nicht so wahrgenommen. Warum? Ich dachte, ich spare Zeit, wenn ich die fertige Gerichte einkaufe. Das ist aber nicht wirklich wahr. Die meisten Gerichte, die ich selbst koche, dauern nicht mehr als 10 Minuten.

Tag 14

Hurraaaaa, geschafft! Vierzehn Tage ohne Zucker sind rum.

Eine Bilanz: Read more…Nach anfänglicher kurzer Panik nach dem Motto: Wenn man nur noch Dinge essen möchte, die keine Zuckerzusätze enthalten, dann darf man ja gar nichts mehr. Stimmt – zum Teil. Es fallen zwar viele verarbeitete Lebensmittel weg, aber alles was naturbelassen ist, einschliesslich Obst ist erlaubt. Obst enthält zwar auch Fruchtzucker aber der ist nicht zusätzlich zugesetzt, sondern natürlicherweise in Obst enthalten. Obst habe ich also die ganzen 14 Tage gegessen – reichlich. Ich habe mich grundsätzlich automatisch gesünder ernährt, indem ich auf viele verarbeitete Lebensmittel verzichtet habe und so die zusätzlichen versteckten Portionen an Zucker gespart habe.

Und das war leichter als ich dachte.

Wie ich mich fühle? Sehr gut! Zuerst einmal war sehr auffällig, dass ich praktisch keine Hungerattacken hatte – auch nicht, wenn ich auf beruflichen Reisen lange nichts zu essen bekommen hatte. Zweitens war ich weniger müde. Eigentlich tagsüber gar nicht auch nicht nach dem Mittagessen oder nachmittags – also zu Zeiten, bei denen ich sonst eher mal durchhänge.

Die Waage sagt mir 1.5 Kilo abgenommen! Und das ohne zu Hungern.

Ich habe vor diesem Test auch nicht zu denen gehört, die den ganzen Tag über Süssigkeiten oder Torten naschen oder für die ein Essen ohne Nachtisch kein Essen ist. Trotzdem habe ich einen Effekt gespürt – nur dadurch, dass ich den Zucker, den die Industrie zusetzt, bewusst weggelassen habe. Das hat mich sehr erstaunt und es zeigt mir, wie sehr uns dieser versteckte Zucker, den wir unbewusst und ständig konsumieren, schadet.

Ich werde jedenfalls weitermachen. Auch über diese Testphase hinaus. Natürlich esse ich auch einmal etwas Süsses – aber dann bewusst. Alles andere – Zucker im Aufschnitt oder im Fertiggericht oder Brot – brauche ich nicht und werde ich weiter vermeiden. Man muss sich heute schon bewusst gegen vieles was als Lebensmittel verkauft wird entscheiden, um gesund zu bleiben. So traurig das ist…