Schnell auf 180? Stress bewältigen – Teil 2

Stress ist ein nicht zu unterschätzender Risikofaktor für Menschen, die chronisch krank sind.

In einer Stresssituation schüttet der Körper Stresshormone aus. Im Einzelfall ist das kein Problem, denn eigentlich wird bei Stress der Körper darauf vorbereitet, dass Sie fliehen oder kämpfen können – das war zu Beginn der Entwicklung des Menschen die normale Reaktion auf Stress. Heutzutage ist wegrennen oder angreifen gewöhnlich nicht das was wir tun, wenn wir Stress erleben. Das kann für Patienten mit chronischen Erkrankungen wie Bluthochdruck, Herzkreislauferkrankungen, Asthma und COPD zum Problem werden. Symptome werden verstärkt, Folgeerkrankungen können vorangetrieben werden und nicht zuletzt kann man weniger gut auf seine Gesundheit achten, wenn man mit Stress nicht gut umgehen kann.

Hier soll es um den Stress gehen, der nur zum Teil selbst gemacht ist. Es geht um Stress, den die Umwelt uns macht: Stau auf der Autobahn, Lärm in der Großstadt, unfreundliche Menschen usw. Der alltägliche Wahnsinn also.

Auf all diese Dinge reagiert jeder anders. Manche Menschen lassen sich in solchen Situationen schnell aus der Ruhe bringen. Wenn Sie dazu gehören, dann sollten Sie, wenn Sie bereits eine chronische Erkrankung haben, unbedingt versuchen gelassener auf Ihre Umwelt zu reagieren. Sagen Sie sich, dass Sie im Augenblick sowieso nichts ändern können. Überlegen Sie sich einmal, wie lange Ihre Gereiztheit in einem solchen Fall gewöhnlich anhält. In der Regel ist der Ärger nämlich nach kurzer Zeit verpufft. Also tun Sie Ihrer Gesundheit etwas Gutes und versuchen Sie in solchen Situationen bewusst ein paar Mal tief durchzuatmen. Denken Sie an etwas Schönes und machen Sie sich klar, dass das Problem in absehbarer Zeit vorbei sein wird. Suchen Sie sich also bewusst eine Methode um runter zu kommen. Atmen, eine kurze Auszeit, Musik hören – was auch immer. Hauptsache es hilft. Wenn Sie diese Methode zum Ritual machen, dann wird ihr Körper nach kurzer Zeit darauf konditioniert, dass er sich bei diesem Ritual beruhigt. Es ist im Grunde ganz einfach. Und: Es kostet Sie wesentlich weniger Kraft, wenn Sie Ruhe bewahren. Für Ihre Gesundheit ist es wichtig, dass Sie gelassener werden.

Nachdem ich Brustkrebs bekommen hatte, habe ich mich nach dem Ende meiner Therapie sehr bewusst mit solchen Dingen auseinandergesetzt. Ich weiß, dass meine Gesundheit in Zukunft unter anderem davon abhängt, dass ich gesund lebe – und das heißt auch unnötigen Dauerstress vermeiden. Ich bin erstaunt, wie leicht es mir jetzt fällt all diesen Umweltstress wegzustecken, Ein Grund ist sicher, dass eine Krebsdiagnose eine so einschneidende Erfahrung ist, dass vieles andere dagegen verblasst. Ich kann die alltäglichen Aufregungen der meisten Menschen nicht mehr wirklich ernst nehmen. Aber auch wenn ich merke, dass ich wegen etwas in Rage gerade, fahre ich mich bewusst sofort wieder runter. Meine Gesundheit steht für mich in dem Augenblick an erster Stelle. Und auf einmal ist es ganz leicht, darauf zu verzichten, sich weiter aufzuregen.

Stress am Flughafen, in Großstädten und bei unausweichlichen Gelegenheiten wie Umzügen? Habe ich natürlich auch immer noch. Aber ich lasse das jetzt nicht mehr einfach auf mich zukommen. Ich plane voraus. Eine längere Geschäftsreise? Ja aber danach und davor habe ich eine Woche nur Bürowoche, damit ich mich nicht durch Dauerreisen überlaste. Umzug? Ja habe ich auch. Aber ich lasse jetzt andere mehr tun als vorher und will nicht immer alles kontrollieren. Läuft schon irgendwie. Wenn ich meine Tochter in Mailand besuche – sehr stressige Stadt- dann genieße ich den Rummel, bleibe aber nicht länger als 2 Tage, sonst frisst Lärm mich auf.

Also zusammengefasst sind es zwei Dinge, die uns hier retten können: Rituale entwickeln um sich runterzufahren, wenn man in Rage kommt und vorausplanen, damit der Stress nicht die Kontrolle über uns gewinnt sondern wir die Kontrolle über den Stress behalten.

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